Tief in die römische Zeit hinein reicht unser Dichter, wenn er in echt vergilischem Geiste Ernstes in bukolischen Gewande vorträgt, wie in seinem vorherigen Werk, einem tiefsinnigen Loblied auf den Laacher See:
einem dem Saarbrücker Latinisten P. Dr. CAELESTIS EICHENSEER OSB gewidmetem Werk, das hier ausführlicher vorgestellt werden soll:
Die vorliegende Huldigung an die auch zu Beginn des 21.Jahrhunderts noch unverwelkte Naturschönheit des Laacher Sees wendet sich an für klassische Dichtung noch empfängliche Leser (wie wenige es auch sein mögen!), die wie er in lebendiger Verbindung sind mit den abendländischen Wurzeln, aus denen diese Kulturlandschaft im Schatten des segensreichen, ältesten europäischen Mönchsordens gespeist wird. Die Sprache dieses Kulturraums ist die Sprache Roms. Sie war bis in jüngste Zeit auch die Sprache der katholischen Kirche. Mit ihrer Vernachlässigung und zunehmenden Geringschätzung geht die Abtrennung von unseren ureigensten Wurzeln Hand in Hand, und alle übrigen beklagenswerten Verflachungen und Verluste sind zweifellos auf jenen primären Verlust zurückzuführen.
Der Dichter unternimmt des Unvorstellbare: In der Sprache Ciceros und Vergils zu Hause wie nur wenige, legt er 515 geschliffene lateinische Hexameter vor, die das gesamte Spektrum der Schönheiten des Laacher Sees vor Augen führen, Pflanzen- und Tierwelt, Vulkanismus usw. Auch zur Bezeichnung heute am See gepflogener, moderner Sportarten, wie z. B. des Surfens, fehlen ihm nicht die Worte. Kunstvoll eingeflochten ist die Geschichte eines jungen Mönchs, die mit ovidisch anmutender Eleganz in eroticis brilliert und gleichzeitig die wunderbare Spannung zwischen Geist und Leben symbolisiert, die wiederum den eigentlichen Reiz dieser kultivierten Natur ausmacht und reflektiert.
Möchten sich doch die Ausblicke des Nachwortes bewahrheiten, die dem Dichter und diesem Werk ein Auftauchen aus den verfinsterten Niederungen dieses Säkulums prophezeien, wenn der irrlichternde Glanz eines an geistigen Schein- und Sumpfblüten wahrlich nicht Mangel leidenden Zeitalters denn wirklich einmal verflackert sein sollte!Dieser zweite Teil der Dichtung erweckt in
einem
bunten Spektrum Szenen und Begebenheiten rund um den Laacher See zu
neuem
Leben: Mythisches, Historisches, Aktuelles, sinnlich Wahrnehmbares,
Übersinnliches. Die Themenvielfalt reicht von frommer Betrachtung,
fiktiven Nymphen-,
Enten- und Fischgesprächen über Reminiszenzen an den ehemaligen Abt Fulbert, zu dessen Zeit ein
Stollen vom
See in den Berg gegraben wurde, sowie an den Laacher Mönch Johannes Butzbach
(Piemontanus), den
Verfasser des
berühmten Reisebüchleins "Hodeporikon",
über eine Geistererscheinung in der nächtlichen Klosterbibliothek zu
intermezzohaft eingestreuten Stilleben und Genrebildern wie z. B.
der in
knappe, aber meisterhaft skizzierte Umrisse gebannten "Stunde des
Pan" oder einem Picknick am Seeufer, das im ungehemmten Redefluß seiner
Hauptakteurin fast zur Komödie wird, einer behaglichen Feierstunde im
Seehotel
zu Ehren der Gemahlin des Dichters, zu der Idylle des Spielmanns
Unserer Lieben
Frau, zum winterlichen Selbstgespräch eines Rotkehlchens und last but
not least
zu verschiedenen in "fabelhaftes" Gewand verpackten Zeitgedichten, in
denen sich mitunter auch die nötige Kritik zu Wort meldet und manches
in Frage
stellt, was heute an geistigen Strömungen in überheblicher Abkehr von
jahrhunderte-
und jahrtausendealter monastisch-abendländischer Tradition voll und
unbestritten im Trend liegt, im Grunde aber von jenem Baume des
Paradieses
stammt, dessen vergiftete Früchte für den aufmerksamen Betrachter umso
greifbarer werden, je weniger jene, die einmal davon gegessen haben,
die
Herkunft derselben bemerken, bis endlich das lakonische Schlußepitaph de mortuis nil nisi bene! die sich
vielfach widerstreitenden Dinge in die rechte und endgültige Ordnung
rückt. Und
das alles wiederum in der edlen Sprache unseres Kulturraums und der
katholischen Kirche, für die sie einstmals das Band der Einheit war,
das aber
von den Geburtshelfern einer neuen, utopischen Einheit so leichtfertig
und
schmählich zerrissen wurde.
Hier sei als Kostprobe der Kunst unseres
Dichters
sein Marienlob vorgestellt, mit dem – nach einer Praefatio
Archipoetica – der Gedichtband einsetzt:
AD VIRGINEM LACENSEM
Tu quae stella micas per saecula sidera cuncta
luce tua superans, Virgo fidelis, ave!
Infanti, puero, iuveni mihi dulcis imago,
haud neglecta viro, plus veneranda seni!
Tempora praeteriere, quibus clerus populusque
te celebrare hymnis nullibi desierant.
Tempora praeteriere, quibus te magnificavit
plebs tua plebe magis fervida amansque nova.
Ecce quod ornavi vernali flore poema,
tu nisi rore rigas, flore cadet citius.
Gemmifera cauda Iunonis qua tumet ales,
frustra se iactant pictor opusque datum,
tu nisi stelligero cinctam diademate frontem
inclinas super hoc carmen inaniloquum.
Cum varii generis sint grana solo tibi sparsa,
unumquodque suum tempus habere sinas.
Multiplici fructu repleant, si terra recuset,
horrea, quae tibi sunt rure, Patrona, tuo!
Quodsi inter culmos reperis zizania quaedam,
colligere atque igni dedere vulsa licet;
vel, si forte mala herba placet male idonea
pani,
(bellula quaedam orta est!), ingrediare pede,
ut, si morte perire decet, pereat pede sancto,
planta obtrita pia subiaceatque tua!
Esse viatori peregrinantique poetae
fax lumenque velis, ut tenebrae fugiant,
ad metam dum operis vitaeque advenerit unam,
quae vitae verae porta adamantina erit.
O benedic, quaeso, patriam, penetralia, vatem
uxoremque piam, cui dicat ille hoc opus,
ut sit tuta tuis fidium nec priva senectus,
ambos concipiat funeris una dies!
Ah! Bona progenies possit succedere pravae,
ut coepisse queat ver sine fine tuum!
Occidat antiquus serpens, stet nobile regnum,
stet, Regina poli, regnum ubicumque tuum!
Dum levis unda lacus placido querulove susurro
ripam lambet eam, te quoque, Diva, canet.
Dum rotat astra polus, nomen fulgere MARIAE
spectabunt homines semper in ore meo.
Eine Weihegabe unseres Dichters zur inzwischen erfolgten
Seligsprechung von Clemens August
Graf von Galen,
Kardinal der Heiligen Römischen Kirche und Zierde des westfälischen
Reichsadels, ist die folgende horazische Ode in lateinischer und
deutscher Sprache:
EMINENTISSIMI AC
REVERENDISSIMI DOMINI D. CLEMENTIS AUGUSTI S.R.E. CARDINALIS DE GALEN
LAUDATIO
Weitere Werke von HANSJÜRGEN BERTRAM in deutscher und
lateinischer
Sprache liegen unter folgenden Titeln vor:
Alle Bände können --
soweit noch vorhanden -- vom Dichter Hansjürgen Bertram bezogen werden.
Kontaktaufnahme über christoph.heger@gmx.de