IN OCTAVA EPIPHANIAE A. D. MMV°

TU NE CEDE MALIS, SED CONRA AUDENTIOR ITO!  Verg. Aen. 6, 95

AN DEN ERZBISCHOF VON KÖLN


Was kriechst du vor den Kreuzeshassern
zu Kreuze, Erzbischof von Köln?
Gewaschen sie mit allen Wassern,
doch du gesalbt mit heil'gen Öl'n

Von deiner Predigt hochvonnöten
ward gar nichts mißverstanden, nein!
Um dich und Gottes Wort zu töten,
solltest du mißverstanden sein!

Beeil dich drum nicht, zu bedauern,
wo’s gar nichts zu bedauern gibt,
Es beugt sich nicht vor Lügenbrauern,
wer Wahrheit über alles liebt.

So sprich: „Es ging nicht um Vergleiche,
doch wenn man schon vergleichen soll,
macht jede neue Kinderleiche
das Maß des Frevels übervoll.

Die andern Greuel sind historisch,
und kein Vergaster steht mehr auf …
doch hier und jetzt – unmetaphorisch! –
schreit Babyblutschuld himmelauf!

Da soll ich schweigen und verstummen
aus Menschenfurcht und Däumchen drehn
und mit denkäuzchen summen
und mit den Möpslein Gassi gehn?

Nein, Gott bewahre! Hier zu kneifen,
das wär nicht Klugheit, wär Verrat.
Die Ratten mögen grimmig pfeifen,
Der Herr ist Leuchte meinem Pfad.

Gibt’s denn ein schlimmeres Verbrechen,
als wenn ein ganzes Volk vertiert,
die Leibesfrucht in blutigen Bächen
hinschlachten läßt legalisiert?

Dies Morden tobt in unserer Mitte
an jedem Tag, an manchem Ort.
Weh mir, wenn ich den Frevel litte
und nach dem Wind hängt' Gottes Wort!

Gelegen oder ungelegen,
es sei mir Weisung und Befehl!
Ein Schwert, zermalmt's, was ihm entgegen.
Ein Sauerteig, erfaßt’s das Mehl!"

So sprich! und setz ein mutig Zeichen
in diese feige Lügenwelt!
Dem Bösen wächst, willst du ihm weichen,
der Arm, bis er den Flüchtigen stellt!

Mann Gottes, wohl, du stehst alleine,
das morsche Rom läßt dich im Stich.
Doch steht die heilige Gemeine
fest hinter dir und fleht für dich.

Und laß dem Schreiber dieser Zeilen
die halbe Hoffnung, die du bist,
in alle Winde nicht enteilen!
Gelobt seist Du, HERR JESU CHRIST!

Hansjürgen Bertram